Mrz 202013
 

Die Antwort auf die Frage, welche Ausstattung denn als freier Journalist vonnöten ist, hängt stark davon ab, für welche Mediengattungen man denn gerne tätig werden möchte. Die Arbeit in den Bereichen Print und Online stellen ganz andere Anforderungen an die Ausrüstung eines Journalisten, als dies beispielsweise die Arbeit für den Rundfunk tut. Grundsätzlich kann aber gesagt werden, dass die Mindestausrüstung für Journalisten in allen Bereichen recht überschaubar ist. Natürlich kann man dabei so richtig Geld ausgeben, es muss aber nicht sein.

Die Grundausstattung für freie Journalisten

Damit wären wir auch schon bei den Dingen, die ein angehender Journalist unbedingt braucht. Die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände sind heutzutage wahrscheinlich derart selbstverständlich und allgegenwärtig, dass ich sie nur der Vollständigkeit halber erwähne: ein Telefon und ein Computer mit Internetzugang, E-Mail und Textverarbeitungsprogramm. Das wäre auch schon die absolute Mindestausstattung. Was für die verschiedenen Mediengattungen zusätzlich noch erforderlich, oder ganz praktisch ist, dazu kommen wir gleich.

Software

Kürzlich las ich in einem Forum für Journalisten eine Diskussion über spezielle Journalistensoftware, mit der man Beiträge und Fotos verwalten können und über Stichworte suchen können soll. Das Interessante an der Diskussion war, dass angehende Journalisten nach so einer Software suchten, dabei jedoch keiner so recht wusste, ob es diese überhaupt gibt. Nun, ich weiß es auch nicht. Ich kann aber sagen, so etwas braucht kein Mensch. Mit einer sinnvollen Ordnerstruktur auf der Festplatte lassen sich auch große Text- und Fotomengen hervorragend verwalten.

An dieser Stelle möchte ich mich noch zu den Textverarbeitungsprogrammen äußern, die (für mich unverständlicherweise) unter angehenden Journalisten stets ein großes Thema sind. Es wird darüber diskutiert, welches Textverarbeitungsprogramm das ideale für Journalisten wäre und was dieses alles können sollte. Verschwenden Sie nicht Ihre Zeit, sich darüber sinnlos Gedanken zu machen. Jedes Textverarbeitungsprogramm kann das, was es können soll, nämlich Texte verarbeiten. Egal, ob Sie sich nun für die Produkte von Microsoft, für Open Office, für andere Office Produkte oder schlicht für einen ganz gewöhnlichen Text-Editor, wie er auf jedem Computer standardmäßig installiert ist, entscheiden, schreiben müssen Sie selbst, dass kann Ihnen die beste Software nicht abnehmen. Im Grunde genommen ist es einfach nur Geschmackssache, womit man sich bei der Arbeit am wohlsten fühlt. Ich persönlich verwende Open Office und bin damit überaus zufrieden.

Mitschneiden von Telefonaten bei Interviews

Sehr praktisch ist auch die Möglichkeit, Telefonate bei Interviews mitzuschneiden. Es vereinfacht die Arbeit enorm, wenn man telefonische Interviews nochmals anhören kann und damit die Möglichkeit hat, Zitate, die bei händischer Mitschrift untergegangen wären, noch nachträglich wörtlich zu übernehmen. Bitte beachten Sie aber, dass das Mitschneiden von Telefongesprächen, ohne das Wissen des Gesprächspartners, rechtlich nicht zulässig ist. Fragen Sie vorher unbedingt um Erlaubnis, das Gespräch mitzuschneiden und zeichnen Sie dies am besten gleich mit auf, um hinterher einen Nachweis dafür zu haben. Technisch gibt es für Telefonmitschnitte zahlreiche Möglichkeiten, sei es nun für Festnetztelefone, Mobiltelefone und sogar für Telefonate im Internet.

Datensicherung

Viel zu wenig Beachtung wird dem überaus wichtigen Aspekt der Datensicherung geschenkt. Mit einer externen Festplatte sind regelmäßige Datensicherungen sehr leicht und kostengünstig umzusetzen. Diese kleine Investition macht sich aber sehr schnell bezahlt, wenn man auf seinem Computer Daten verliert, zum Beispiel durch einen Festplattenschaden, und damit alle bisherigen Arbeiten und Fotos verloren wären. Eine Kopie auf einer externen Festplatte ist in so einem Fall Gold wert.

 

Zusatzausstattung für Print- und Onlinejournalisten

Für freie Journalisten, die für Medien in den Bereichen Print und Online tätig werden wollen, hält sich die nötige Mindestausstattung in einem gut überschaubaren Bereich. Zusätzlich zu Telefon und Computer stehen hier noch ein Diktiergerät und ein Fotoapparat auf der Einkaufsliste. Eine einfache Software zur Bildbearbeitung kann sich als sehr hilfreich erweisen. Unter Bildbearbeitung verstehe ich hier allerdings Größenänderungen und Ausschnitte aus dem Bild – keine Manipulationen aus dem Bereich der Fotomontage.

Wer online arbeitet und dafür auch Videos erstellen will, wird an einer digitalen Videokamera und entsprechender Software nicht vorbei kommen. Videos werden in den Onlinemedien zwar als zukunftsweisend gehandelt, trotzdem besteht der Inhalt der meisten Online-Portale noch immer aus Text und Fotos.

Zusatzausstattung für Rundfunk und Fernsehen

Was den Bereich Rundfunk und Fernsehen angeht, wird der Aufwand schon etwas größer, wobei man sich das als Außenstehender wahrscheinlich viel aufwendiger vorstellt, als es tatsächlich ist. Natürlich kann man sich mit ausreichend Geld ein eigenes Studio einrichten, das ist aber nicht unbedingt nötig. Eine Freundin und Kollegin von mir arbeitet seit vielen Jahren als freie Journalistin für den Rundfunk. Wie die Kollegen aus Print und Online sucht sie sich ihre Themen, recherchiert, führt Interviews und schreibt Beiträge. Als zusätzlicher Schritt fällt bei ihr an, dass sie die Beiträge auch spricht, aufzeichnet und ans Studio liefert. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten, die sie beide nutzt, abhängig von den Wünschen des Senders. Manche Beiträge werden von ihr in einem Studio des Senders gesprochen und nachbearbeitet, was recht schnell geht, da die ganze Vorarbeit zu diesem Zeitpunkt bereits gemacht ist. Andere Beiträge spricht und schneidet sie zuhause. Der technische Aufwand dafür ist vergleichsweise gering, man braucht einen ruhigen Raum ohne Hintergrundgeräusche, ein einfaches digitales Aufnahmegerät und einen Computer. Sie verwendet dafür ein gewöhnliches Diktiergerät mit einem externen Mikrofon. Die Qualität ist für einen gesprochenen Rundfunkbeitrag in den meisten Fällen mehr als ausreichend. Mir ist klar, dass viele unter Ihnen das wahrscheinlich anders sehen werden, maximale Technik für maximale Qualität, aber es geht auch so.

Beim Fernsehen ist die nötige Ausrüstung nicht mehr ganz so minimal. Es hängt aber auch ganz davon ab, was Sie für das Fernsehen überhaupt machen möchten. Hier wird oft in Teams gearbeitet, in denen es ganz klare Aufgabenverteilungen gibt: Kameraleute, Ton, Sprecher, Autoren, Technik, und viele mehr. Als freier Journalist ist es eher unwahrscheinlich, dass Sie vollkommen selbständig Beiträge für das Fernsehen herstellen. Eine Ausführung der benötigten Ausrüstung hängt also ganz vom Sender, dessen Team, sowie Ihrer Funktion in diesem Team ab und würde hier deshalb zu weit führen.

Festes Büro oder Mobilität?

Ein wichtiger Punkt, der sich entscheidend auf die Wahl der Geräte auswirkt, ist die gewünschte Mobilität. Hat man vor, in einem festen Büro zu arbeiten, oder ist man unterwegs. Einer der wirklich schönen Aspekte des Berufes als freier Journalist ist es, meiner Meinung nach, ihn beinahe überall ausüben zu können. Das stimmt natürlich nur eingeschränkt, da man zum Beispiel für die Lokalberichterstattung einfach vor Ort sein muss. Als Fachjournalist, der seine Informationen hauptsächlich telefonisch oder über das Internet bekommt, können Sie aber praktisch überall arbeiten, solange Sie Telefon und Internet haben. Arbeiten Sie also von einem festen Büro aus, können Sie dieses mit stationären Anlagen ausstatten, das heißt mit einem Computer mit beliebig großem Bildschirm einem Festnetztelefonanschluss und Breitbandinternet. Anders sieht es bei der mobilen Ausstattung aus, die sich folglich aus einem Notebook, einem Mobiltelefon und mobilem Internet zusammensetzt. Diese Ausstattung ist etwas teurer, weniger leistungsfähig, dafür aber eben mobil. Hier bietet sich aus Kostengründen an, neben dem Mobiltelefon für Interviews auch die Möglichkeit zu nutzen, kostengünstig über das Internet zu telefonieren, beispielsweise mit Skype. Ideal ist natürlich eine Kombination aus stationärem Büro und mobilen Geräten. Damit ist man für alles gerüstet, es ist allerdings auch eine Kostenfrage.

Entscheidet man sich für einen festen Standort, wird ein Laserdrucker, ein Faxgerät und ein Kopierer recht schnell zum Thema werden. Man kann sich aber auch einfach mit einem Scanner behelfen, der in Kombination mit Drucker oder E-Mail die Funktion des Kopierers oder des Faxgerätes übernimmt.

Internetseite & Blog

Was jedoch zur Standardausstattung jedes angehenden Journalisten gehören sollte ist ein ansprechender Internetauftritt mit allen nötigen Informationen, die ein potentieller Auftraggeber braucht. Das erspart einem natürlich nicht die Akquise, aber man wird auch gefunden – und das sollte letztendlich das Ziel sein.

Ein ebenso interessantes Instrument im Internet sind Journalisten-Blogs. Wenn man das gut machen möchte, steckt eine Menge Arbeit dahinter, die erst einmal nicht bezahlt wird. Der Blog liefert jedoch die Möglichkeit, sich als Experten zu positionieren, anhand guter Texte gefunden zu werden und sich so im hart umkämpften Markt für freie Journalisten zu etablieren. Ich kenne mehrere Blogs, deren Betreiber in der Zwischenzeit davon leben können – bis dahin ist es aber ein langer und steiniger Weg den Ihnen auch die beste Ausrüstung nicht abnehmen kann.


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