Feb 152013
 

Hin und wieder erhalte ich Anfragen von vermeintlichen Redaktionsbüros, welche sich bei genauerem Hinsehen oft als reine Marketingplattformen entpuppen. Bei diesen Anfragen geht es um bezahlte Werbung, meistens in meinem Blog, oder auch in anderen von mir erreichbaren Medien. Es soll ein Produkt oder eine Dienstleistung gegen Bezahlung angepriesen werden, zumeist ohne diese vorher zu Testen.

Produkt- und Dienstleistungstests sind kein Problem

Als Journalist dürfen Sie natürlich über Produkte und Dienstleistungen schreiben, zu denen Sie sich fachlich ein Urteil zutrauen, Sie dürfen loben und kritisieren, natürlich immer in sachlicher, neutraler Weise. Die Fakten, mit denen Sie ihr Urteil begründen, müssen allerdings stimmen, sonst verstoßen Sie gegen das Wettbewerbsrecht. Sollte Ihnen die objektive Sachkunde fehlen, müssen Sie in Ihrem Text auf die Subjektivität hinweisen und dürfen nicht den Anschein der Objektivität geben.

Als redaktionelle Beiträge getarnte Werbung hingegen schon

Seien Sie deshalb vorsichtig mit Angeboten, die von Ihnen einen Werbetext verlangen, der wie ein gut recherchierter Beitrag wirken soll, und auf Wunsch des Anfragenden nicht als Werbung gekennzeichnet sein darf. Für den recht geringen Aufwand, den Sie mit solchen Beiträgen haben, ist die Bezahlung meist gut, was für viele verlockend wirkt. Diese relativ gute Bezahlung hat einen Grund, denn sollten sie den Auftrag wie in der Anfrage gewünscht annehmen, verstoßen sie gegen die wichtigsten journalistischen Grundsätze, sowie gegen das Wettbewerbsrecht.

Es ist nicht erlaubt, Geld dafür zu nehmen, im redaktionellen Teil einer Publikation Werbeartikel zu schreiben, die nicht als Anzeige gekennzeichnet sind. Das wäre Schleichwerbung, mit der sie gegen das Gebot der Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung verstoßen. Wenn sich mehrere gleichwertige Produkte am Markt befinden, dürfen Sie nicht eines davon herausgreifen und loben, ohne die anderen zu erwähnen.

Ebenso können Sie Schwierigkeiten bekommen, wenn Ihnen bei der Berichterstattung über ein Produkt oder eine Dienstleistung die nötige Neutralität fehlt. Wenn Sie über Produkte ihres eigenen Unternehmens oder des Unternehmens, bei dem Sie beschäftigt sind, in einer als objektiv getarnten Stellungnahme Werbung betreiben, so ist dies wettbewerbswidrig.

Tipp

Lehnen Sie Anfragen bezüglich Schleichwerbung strikt und grundsätzlich ab, auch in Ihrem Blog oder anderen Publikationen für die Sie alleine verantwortlich sind. Sie vermeiden damit, rechtlich belangt zu werden und verlieren nicht ihren guten Ruf als objektiver und professioneller Journalist. Werbung muss als solche gekennzeichnet sein, und wenn der Anfragesteller auch nur einen Hauch von Seriosität besitzt, wird er Ihnen zustimmen. In vielen Fällen erhalten Sie den Auftrag dann trotzdem und können diesen wie gewohnt professionell umsetzen.

Es lohnt sich, seine Leser nicht für dumm zu verkaufen. Die meisten erkennen Schleichwerbung und werden Ihre Publikationen daraufhin künftig meiden. Wir sind Profis und können es uns nicht leisten, für ein paar Euro unsere Leserschaft zu vergraulen.


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