Apr 102013
 

Wer als Journalist arbeitet, ohne sich dabei selbst zu vermarkten, lebt damit in ständiger Abhängigkeit seines Auftraggebers. Das Medium, für das man schreibt, ist die Marke, der Autor macht gute Arbeit, schafft sich dabei aber keinen Namen. Das ist in Ordnung, solange die Zusammenarbeit mit dem Medium gut funktioniert und der Journalist nicht gezwungen ist, sich andere, beziehungsweise zusätzliche Auftraggeber zu suchen. Ist dies der Fall, hilft oft nur der Gang zum Arbeitsamt und das Schreiben von Bewerbungen. Dem lässt sich jedoch vorbeugen, wenn man es schafft, sich als Journalist einen Namen zu machen, den man in der Branche kennt. Es geht dabei nicht um selbstverliebte Selbstdarstellungen, sonder darum, aus dem eigenen Namen eine Marke zu machen, welche für gute Qualität, Zuverlässigkeit, Hintergrundwissen, und so weiter steht.

Das Ziel dabei soll sein, dass der Journalist von Auftraggebern gefunden wird und dafür nicht mühsame Kaltakquise betreiben muss, die für beide Seiten recht unangenehm sein kann. Auch Auftraggeber sind auf Informationen von außen angewiesen, um die passenden Autoren für ihr Medium zu finden. Dies kann einerseits über Initiativbewerbungen durch die Autoren erfolgen, idealerweise natürlich über Empfehlungen innerhalb der Branche, aber auch das Internet bietet in zunehmendem Maße eine Plattform für die virtuellen Schaufenster von Freiberuflern, die von potentiellen Auftraggebern auch wahrgenommen werden.

Diese Chance, sich und seine Arbeit zu präsentieren, sollte jeder freiberufliche Journalist oder Autor für sich nutzen. Richtig umgesetzt, wird er damit vom namenlosen und abhängigen Zulieferer zu einer gesuchten Marke. Aufträge muss er sich nicht mehr suchen, er wird von ihnen gefunden.

Diese Markenbildung erfordert in erster Linie eines: Zeit. Alle dafür nötigen Kenntnisse kann man sich entweder selbst aneignen, oder, sofern nötig, von einem Profi umsetzen lassen. Ich persönlich bin Autodidakt und bevorzuge die Variante, alles selber zu machen – damit habe ich stets alles selbst in der Hand, kann unkompliziert Änderungen vornehmen, Projekte ausbauen, und, ganz wichtig: es fallen mir keine zusätzlichen Kosten an.

Doch welche Schritte sind konkret dazu nötig? Ich möchte Ihnen nun kurz beschreiben, welche Vorgehensweise meiner Meinung nach die sinnvollste ist.

1. Eine Plattform schaffen

Viele Freischaffende beginnen mit den sozialen Netzwerken. Das ist zwar sehr einfach und deshalb schnell erledigt, aber als erster Schritt nicht unbedingt zielführend. In sozialen Netzwerken können Inhalte geteilt und kommentiert werden, doch soll es bei der Selbstvermarktung doch maßgeblich um eigene Inhalte gehen, die erst einmal irgendwo präsent sein müssen, um verlinkt oder geteilt werden zu können.

Deswegen empfehle ich, sich zuerst einmal eine Plattform zu schaffen, ein virtuelles Schaufenster für die eigenen Angebote und natürlich für Arbeiten. Dazu bieten sich einige Content Management Systeme (CMS) an, die ursprünglich für Blogs konzipiert waren, mit denen sich aber auch sehr professionelle Internetauftritte realisieren lassen. Das wahrscheinlich populärste darunter ist WordPress, welches auch ich nutze. WordPress ist gratis und bietet unzählige Möglichkeiten, einen Internetauftritt ganz nach individuellen Wünschen umzusetzen

Eigene oder fremde Plattformen?

Bei der Umsetzung eines Internetauftrittes hat man grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Man kann sich bei einem Betreiber, wie zum Beispiel www.wordpress.org registrieren und sofort loslegen, oder man kann alternativ bei einem Provider Speicherplatz und Domänen mieten und damit die Plattform komplett in Eigenregie betreiben. Ich empfehle auf jeden Fall die zweite Variante, auch wenn sie zu Beginn etwas aufwändiger ist.

Der Punkt dabei ist die Domäne, also die Adresse, unter welcher die Seite im Internet gefunden wird. Nur bei einer komplett selbst betriebenen Internetpräsenz kann diese frei unter allen noch verfügbaren Domänen ausgewählt werden, was ein sehr wichtiger Faktor ist, damit die Seite gefunden wird und bei den Besuchern auch in Erinnerung bleibt.

Die Domäne

Zum Zwecke der Selbstvermarktung empfiehlt es sich, als Domäne entweder den eigenen Namen (zum Beispiel www.stefanpeter.at) oder das ganz konkrete Thema (zum Beispiel www.unterwegs-auf-mallorca.com) zu wählen. Phantasienamen oder Abkürzungen können zwar auch recht einprägsam sein, sind aber für die Suchmaschinenoptimierung nicht ideal. Ihr wichtigster Schlüsselbegriff sollte in der Domäne vorkommen.

Der Aufbau der Internetpräsenz

Ganz zu Beginn meiner Tätigkeit als freier Journalist hatte ich eine Internetseite, auf der ich mich selbst präsentierte. Darauf war mein Profil zu finden, meine Themenschwerpunkte, ein paar Mustertexte, die AGB und ein Kontaktformular.

Im Grunde genommen ist das ausreichend, man wird damit schon gefunden und es entstehen Kontakte zu neuen Auftraggebern. Empfehlenswerter ist es meiner Meinung nach aber, deutlich mehr als lediglich ein paar Mustertexte zu präsentieren. Dies kann man auf zwei Arten verwirklichen, nämlich den Teil der virtuellen Visitenkarte, der die Mustertexte beinhaltet, als Blog zu führen und laufend zu erweitern, oder die Seite wirklich nur als virtuelle Visitenkarte mit Profil und Themenschwerpunkten zu betreiben und parallel, als eigene Seite einen oder mehrere Blogs zu führen. Das ist die Variante, die ich persönlich bevorzuge, sie ist die arbeitsintensivste von allen, hat aber ganz entscheidende Vorteile:

  • Ein separater Blog lässt sich, was das Design angeht, völlig unabhängig von der Hauptseite, optimal gestalten.
  • Die Mustertexte sind nicht wie Kraut und Rüben thematisch gemischt, sondern können in Themenblogs zielgerichtet für Interessenten aufbereitet werden. Themenblogs sind bei Besuchern beliebter als Mischblogs, da konkrete Zielgruppen optimal angesprochen werden.
  • Je nach Bedarf kann man beliebig viele Themenblogs im Stil von Onlinemagazinen betreiben, mit denen sich neben der Markenbildung auch Einnahmen über Werbung generieren lassen. Auch das funktioniert wesentlich besser mit themenrelevanten Seiten.
  • Jede Themenseite kann mit einer eigenen, optimalen Domäne ausgestattet werden, was dazu führt, dass die Seite besser gefunden wird und in Erinnerung bleibt.

Wenn die Blogs einmal eingerichtet sind, ist das Befüllen mit Beiträgen auch nicht viel mehr Aufwand, als diese alle auf einer Seite gesammelt zu veröffentlichen.Natürlich werden die Seiten untereinander verlinkt. Google liebt das und Besucher werden zudem auf die anderen Seiten aufmerksam.

Die Themenwahl

Als freier Journalist müssen Sie sich früher oder später Gedanken darüber machen, welche Themen Sie bearbeiten wollen. In besonderem Maß trifft dies auch bei Ihren Internetseiten zu. Seien Sie nicht zu leichtfertig bei der Themenwahl für Ihre Seiten, denn möchten Sie damit erfolgreich sein, ist es erforderlich, dafür über Jahre hinweg regelmäßig zu schreiben und zu veröffentlichen.

Kommt beim Schreiben für die eigenen Internetseiten das Gefühl der Pflicht auf, so passiert es schnell, dass man diese immer mehr vernachlässigt und das Projekt zum Scheitern verurteilt ist, weil es früher oder später einschläft. Wählen Sie Ihr Thema deswegen mit Bedacht. Idealerweise fühlen Sie sich berufen, genau dafür zu schreiben, und tun dies auch mit Herzblut. Das Schreiben über Themen, die den Autor bewegen und begeistern hat zudem den Vorteil, dass die Texte um vieles besser werden, als nach Vorgaben erstellte Beiträge, die den Schreiber im Grunde nicht interessieren. Der Leser merkt, ob Sie mit Herzblut dabei sind, vielleicht nicht bewusst, aber er merkt es und wird Sie dafür lieben.

2. Profile einrichten

Als nächsten Schritt ist es empfehlenswert, sich Profile in professionellen Netzwerken einzurichten, auf jeden Fall bei XING, aber auch bei verschiedenen anderen. Profile in solchen Netzwerken werden von Google sehr gut gefunden und können dadurch Interessenten auf Ihre Internetseiten bringen.

3. Soziale Netzwerke nutzen

Parallel zu den Profilen in den Professionellen Netzwerken empfiehlt es sich auch, soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter zu nutzen. Jetzt, da Ihre eigenen Plattformen mit einigen Beiträgen bereits bestehen, können sie diese in den sozialen Netzwerken auch verbreiten, statt nur fremde Inhalte zu kommentieren. Sich mittels Kommentaren an fremden Inhalten zu beteiligen ist sehr wichtig, mehr dazu aber später.

Facebook

Wohl eines der geeignetsten Netzwerke um eigene Inhalte zu verbreiten ist Facebook. Als erstes braucht man dazu ein persönliches Profil, mit dem man auch schon direkt arbeiten kann. Betreibt man mehrere Internetseiten oder Blogs zu verschiedenen Themen, empfiehlt es sich, diese auch mittels verschiedener Facebook-Seiten zu trennen. Jede dieser Seiten wird dann über Ihr persönliches Profil administriert, jede hat aber, genauso wie die betreffenden Internetseiten selbst, eigene Besucher und eigene „Fans“, wie diejenigen genannt werden, die in Facebook auf den „Gefällt mir“ Knopf drücken.

Fühlen sich Facebook-Benutzer von Ihren Beiträgen angesprochen, werden diese von ihnen geteilt und können so völlig gratis enorme Zahlen von Menschen erreichen. Das nennt man virale Verbreitung und ist für den Autor der Idealzustand. Ganz so einfach, wie es hier klingt, ist es jedoch nicht.

Twitter

Ein Konto bei Twitter kann in der Verbreitung eigener Inhalte ebenfalls gute Dienste tun. Am besten registriert man es mit dem Namen der Internetseite, oder zumindest mit einem Namen, der gut damit in Verbindung gebracht werden kann.

4. Sich am Geschehen im Netz beteiligen – Kommentare und Gastbeiträge

Nun sind Sie bereits mitten drin in der Bildung Ihrer Marke als Journalist. Sie veröffentlichen regelmäßig gute Beiträge auf Ihren Internetseiten und machen mit Hilfe der sozialen und professionellen Netzwerke darauf aufmerksam. Das alleine kann schon ziemlich viel Arbeit sein, trotzdem ist es noch nicht alles. Wenn Sie wollen, dass Ihre Beiträge von anderen wahrgenommen, kommentiert und bestenfalls weiterverbreitet werden, sollten auch sie das bei fachlich relevanten Beiträgen von Kollegen tun. Viele scheuen sich davor, weil sie befürchten, damit die „Konkurrenz“ zu unterstützen, doch das ist nicht so – schließlich können wir nicht versuchen, ein großes Netzwerk aufzubauen, ohne andere dabei mit einzubeziehen.

Teilen sie die Beiträge von anderen, schreiben Sie darüber oder tun Sie Ihre Meinung als Kommentar kund. Das macht nicht nur auf Sie aufmerksam, sondern bringt Ihnen auch jedes Mal einen Link zu Ihrer eigenen Seite, was für Google sehr wichtig ist.

Beim Kommentieren sollte man aber darauf achten, dass es nicht das Hauptziel ist, einfach seine URL irgendwo zu platzieren, um damit bei Google bessere Suchergebnisse zu erhalten. Das ist Spam und wird von den meisten Seitenbetreibern gelöscht. Auch ich handhabe das so. So sehr ich mich über einen Kommentar freue, auch wenn mir der Autor widerspricht, so will ich aber dennoch nicht als Müllhalde für alle möglichen URLs herhalten, deren Autoren nur ihre eigenen Suchergebnisse verbessern wollen und sich gar nicht erst die Mühe machen, etwas zum Thema beizutragen. Solche Kommentare werden von mir sofort gelöscht.

Ein Kommentar sollte auf den kommentierten Beitrag eingehen, er kann ihn bestätigen, ihm aber auch widersprechen. Da Sie ja an Ihrem Image als Marke arbeiten, ist deshalb auch die Qualität der Kommentare, die Sie auf fremden Seiten hinterlassen, für Sie wichtig. Gute Kommentare bringen Ihnen neben einem guten Ruf als Experten auch zusätzliche Besucher auf Ihre Internetseite – und genau das wollen wir.

5. Erfolgskontrolle über Google Analytics

Nachdem man sich all diese Arbeit gemacht hat, will man wahrscheinlich auch wissen, wie sie sich auswirkt, welche Maßnahmen waren erfolgreich, welche weniger, welche Ihrer Beiträge sind für die Besucher der Seite interessant, welche weniger. Für all das und noch mehr bietet Google ein kostenloses Werkzeug an: Google Analytics.

Die Internetseite muss einmal registriert werden, wobei man nachweisen muss, der Besitzer derselben zu sein, was über das simple Hochladen einer kleinen Identifikationsdatei auf den Server der Seite funktioniert, wozu nur der Besitzer in der Lage ist.

Ist einmal alles eingerichtet, stehen umfangreiche Möglichkeiten zur Verfügung, den Erfolg Ihrer Internetseite auszuwerten, welche man nutzen sollte, um den Erfolg der bisherigen Maßnahmen zu kontrollieren und daraus weitere abzuleiten.

Gut Ding braucht Weile

Auch wenn alles gut und richtig umgesetzt ist, und konsequent Beiträge und Kommentare veröffentlicht werden, braucht es seine Zeit, bis sich gute Besucherzahlen einstellen. Man sollte nicht erwarten, dass sich sofort alle Internetnutzer auf die Seite stürzen, sobald sie erstellt ist. Das alles ist sehr viel Arbeit und benötigt auch viel Zeit. Es kann Jahre dauern, bis sich Ihr Internetauftritt und somit Sie als Marke etabliert haben. Dann ist es aber geschafft.

Darum am besten sofort anfangen und dann dranbleiben, auch wenn sich längere Zeit gar nichts tut. Es wird sich der gewünschte Erfolg einstellen, wenn Sie das zarte Pflänzchen pflegen, das Sie gepflanzt haben. Irgendwann wird es ein stattlicher Baum sein.


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