Mrz 202013
 

Die Arbeit als freier Journalist hat viele schöne Seiten. Man kann sich die Zeit frei einteilen, man befasst sich mit Themen, die einen wirklich interessieren und man kann sich die Auftraggeber, mit denen man zusammenarbeiten möchte, weitestgehend aussuchen. Natürlich gibt es auch Schattenseiten, wie plötzlich versiegende Geldquellen oder abartig niedrige Honorare.

Lebensqualität

Lebensqualität war und ist für mich ein zentraler Aspekt dieser Berufswahl. Das Leben im Hamsterrad des Großraumbüros tut mir nicht gut und nur des „sicheren“ Einkommens willen halte ich es trotzdem nicht für die bessere Wahl. Besonders dann nicht, wenn man die Illusion der Sicherheit erst einmal abgelegt hat.

Es ist einfach schön, auch mitten in der Woche mal im Café zu arbeiten, auch wenn manche Leute das irgendwie für asozial zu halten scheinen. Daran sind aber meiner Meinung nach nicht die Leute schuld, viele sind einfach schon so sehr an das System der abhängigen Lohnarbeit gewöhnt, dass sie sich etwas Anderes gar nicht vorstellen können. Arbeit kann keinen Spaß machen, sonst wäre es ja keine Arbeit, stimmt‘s?

Auch wenn man dabei viele Abende, Wochenenden und Feiertage vor dem Rechner sitzt und schreibt, ich möchte mit niemandem tauschen. Nicht des Geldes wegen und nicht wegen fester Arbeitszeiten, gerade deswegen nicht. Bei welchem anderen Beruf kann man tagsüber beispielsweise spazieren gehen, sich Gedanken über einen Text machen, und diesen dann abends niederschreiben? Oder einfach ans Meer fahren und dort mit Laptop und Mobiltelefon arbeiten? Die Auftragslage ist oft schwierig, die Bezahlung schlecht, manchmal wird man belächelt – aber die damit verbundene Lebensqualität ist dies alles wert, auf jeden Fall.

Es ist auch eine Möglichkeit, das Hobby zum Beruf zu machen. Einerseits, überhaupt hauptberuflich zu schreiben, was ich schon immer wollte, und andererseits Themen, die einen bewegen und interessieren, zu Arbeitsfeldern zu machen. Man hört dabei auf, Arbeit und Freizeit zu trennen, was auf Dauer nur funktioniert, wenn das, was man tut, auch wirklich Spaß macht. Besonders gut funktioniert das bei mir beim Schreiben auf Reisen. Man arbeitet und fühlt sich dabei trotzdem wie im Urlaub.

Freie Zeiteinteilung

Solang ich meine Abgabetermine einhalte, interessiert es niemanden, wann und wie lange ich arbeite. Ich muss nicht früh morgens in einem Großraumbüro sitzen und dort bis in die Abendstunden anwesend sein. Wenn ich mal nach acht Stunden Feierabend mache, pflaumt mich keiner an, ob ich denn jetzt halbtags arbeiten würde. Keine kritischen Blicke, ob ich zu spät komme, oder zu früh gehe, alles ist meine Entscheidung. Zugegeben, die Tage sind oft recht lang und kaum ein Wochenende, an dem ich nicht arbeite, aber das ist es mir wert. Dafür kann ich im Sommer auch einfach mal mit dem Laptop in einem Café sitzen, oder gar nichts machen.

Man kann arbeiten, wo immer man will

Was ich zum Arbeiten benötige, ist mein Laptop, ein Internetzugang und ein Telefon. Diese Minimalinfrastruktur findet man an sehr vielen Orten der Welt, und so ist es recht einfach, mein Büro kurzerhand vorübergehend zu verlegen. Auf diese Weise habe ich bereits zwei komplette Sommer von Mallorca aus gearbeitet, was einfach herrlich ist.

Niemand schreibt einem vor, welche Themen man bearbeitet

Ich suche mir meine Themen selber aus. Natürlich muss man des lieben Geldes willen auch mal Themen annehmen, die weniger interessant sind, aber im Großen und Ganzen ist es eine eigene Entscheidung und niemand schreibt einem vor, was man zu tun oder zu lassen hat. Dies bietet die Möglichkeit, mich mit Themen zu befassen, die mich wirklich interessieren. Das Leben ist zu kurz, um es zu verschwenden. Meine Lieblingsthemen sind das Schreiben, Literatur, Segeln, Reisen, Finanzen, Technik und Umweltschutz.

Keine Kollegen

Aus meiner Zeit als Angestellter habe ich viele nette Kollegen, von denen manche auch Freunde wurden. Wer kennt sie aber nicht, die Machtkämpfe zwischen Kollegen am Arbeitsplatz? Leute, die viel Energie dafür aufbringen, sich auf Kosten ihrer Kollegen zu profilieren? Besonders in Zeiten, in denen eingespart werden muss? Natürlich steht man als Freiberufler auch im Wettbewerb mit Kollegen, trotzdem hat man auf diese Weise viel weniger Ärger. Den karrierebewussten Mitstreiter am Nebentisch, der Erfolge auf sein Konto verbucht und Misserfolge den anderen zuschreibt, den gibt es nicht.

Als Angestellter ist das Einkommen auch nicht „sicher“

Egal in welcher Branche man als Angestellter seine Brötchen verdient, der Gedanke an Sicherheit ist in jedem Fall eine Illusion. Auch vermeintlich „sichere“ Arbeitsplätze kann man schneller wieder los sein, als man das Wort „Einsparpotential“ aussprechen kann. Als Freiberufler hat man hierbei sogar noch den Vorteil, dieses Risiko auf mehrere Auftraggeber verteilen zu können.

Wichtig: Fixkosten niedrig halten

Wichtig aus meiner Sicht ist dafür in allererster Linie, seine Fixkosten so niedrig wie möglich zu halten und sich Auftraggeber zu suchen, mit denen man diese decken kann. Gemeint ist damit Miete, Versicherungen und ein paar Euro für Essen. Da ich als alter Sparefroh darin aber schon immer recht gut war, fällt mir das überhaupt nicht schwer. Ein tragendes Mitglied der Konsumgesellschaft war ich noch nie.

Der Beruf des Journalisten

Unabhängig davon, ob man selbstständig oder fest angestellt arbeitet, ist der Beruf des Journalisten für die meisten immer noch ein Traumberuf. Studien haben gezeigt, dass die meisten Journalisten ihren Beruf wirklich als eine Berufung ansehen. Walther von La Roche, der das Standardwerk „Einführung in den praktischen Journalismus“ geschrieben hat, würde auch unter den heutigen Bedingungen noch mal Journalist werden wollen. „Es ist einer der schönsten Berufe der Welt.“

schreiben am see


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