Mrz 202013
 

Das Internet mache den Journalismus kaputt, sagt Chefreporter Nick Davies in „Der Standard“ („Guardian“ geht schweren Zeiten entgegen – Sebastian Borger aus London, 2. Jänner 2013). In vielen Verlagshäusern mag das so aussehen, doch ist meiner Meinung nach das Problem wesentlich vielschichtiger. Schon zu den Zeiten der Internetblase an den Börsen in den 90er Jahren wurde gemunkelt, dass es in wenigen Jahren keine gedruckten Bücher oder Zeitungen mehr geben werde. Diese Prophezeiung hat sich bisher als falsch erwiesen, und das wird höchstwahrscheinlich auch weiterhin so bleiben. Zahlreiche Neuerungen im Internet, wie beispielsweise E-Books und Blogs machen den Verlegern von Druckerzeugnissen das Leben zwar schwer, ganz so einfach ist das gedruckte Wort aber nicht unterzukriegen – und das ist auch gut so.

Für mich wird eine Datei niemals ein gedrucktes Buch ersetzen können, auch wenn E-Books auf Reisen enorme Vorteile bieten. Viele Menschen vertreten diese Haltung und so wird hier nicht die Innovation das traditionelle Buch verdrängen, sondern es wird sich auf ein friedliches Miteinander hinauslaufen, ganz nach den Präferenzen und Bedürfnissen der Leser.

Ganz ähnlich sieht es im Journalismus aus, wenngleich nicht ganz so eindeutig, denn hier bietet das Internet dem Leser weitere Vorteile, als nur die Gewichtsersparnis mit Büchern auf Reisen. Will ein Leser noch ein echtes, gedrucktes Buch in Händen halten und dies zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht wieder einmal aus dem Regal nehmen, um darin zu schmökern, so landet eine Zeitung nach dem Lesen ausgewählter Beiträge im Altpapier. Die Bindung des Lesers an die einzelne Ausgabe ist also wesentlich geringer. Zudem sind die Informationen im Internet in den allermeisten Fällen gratis, was auf ein Zeitschriftenabonnement natürlich nicht zutrifft. Der Trend ins Internet dürfte hier also wesentlich größer sein, als bei den Büchern.

Das bekommen die großen Verlagshäuser natürlich zu spüren, so nun auch der „Guardian“, der erstmals seit seiner Gründung Mitarbeiter entlassen muss und, sollte sich die wirtschaftliche Lage nicht grundlegend verbessern, möglicherweise die nächsten drei bis fünf Jahre nicht überleben wird. Dennoch bin ich der Meinung, dass das Internet nicht den Journalismus, sondern die großen Verlagshäuser kaputt macht. Wir Journalisten sind die fleißigen Arbeiterbienen, die den Verlagen die Inhalte liefern, mit denen sie ihre Druckwerke füllen. Finanziert wird ein Medium aber normalerweise über Werbeeinnahmen. Bei so mancher Zeitung ist diese Strategie geradezu übertrieben offensichtlich. Redaktionelle Beiträge sind nur noch ein Beiwerk für die PR-Plattform, die das Medium eigentlich darstellt. Journalisten, die für ein solches Medium arbeiten, werden mit Niedrigstlöhnen abgespeist, weil ja nicht sie es sind, die die Umsätze generieren, sondern die Werbekunden. Doch betrachten wir es einmal aus der Sicht der Leser – kaufen Sie denn Ihre Zeitung, weil da so viele schöne Anzeigen drin sind?

Im Gegensatz zu gedruckten Zeitungen bietet das Internet eine enorme Reichweite, die nicht auf die Auflage der Zeitung begrenzt ist, und ist zudem, was das Erreichen der Leser angeht, wesentlich kostengünstiger, als das Drucken und Zustellen von Zeitungen. Genau das interessiert Werbekunden. Trotzdem sind die Werbeeinnahmen im Internet weitaus geringer, als in gedruckter Form, weil ganz andere Gebührenstrukturen herrschen. Einerseits ist Werbung im Internet wesentlich präsenter, als auf Papier, das möglicherweise ungelesen im Altpapier landet, andererseits kann Werbung auf Internetseiten technisch aber sehr einfach ausgeblendet werden.

Wie immer dreht sich alles um das liebe Geld. Die Frage der Finanzierung wird letztendlich entscheiden, wohin sich der Journalismus bewegt. Fest angestellte Kollegen fürchten um ihre Arbeitsplätze, freiberuflich tätige bekommen die Situation schon längst finanziell zu spüren. Zahlreiche Blogs im Internet werden von Journalisten betrieben, und das sehr gut. Ich kann mir nicht vorstellen. dass die meisten davon dies aus Spaß tun, nur weil sie einfach nicht aufhören können, für quasi nichts zu arbeiten. Viele sehen darin eine echte Alternative, die es meiner Meinung nach auch ist, denn im Internet kann jeder publizieren, wie es vor einigen Jahren nur Verlagshäusern mit dem nötigen Kleingeld möglich war. Die Technik übernimmt hier einen großen Teil der aufwändigen Verlagsarbeit: drucken und verteilen. Hier steht der Journalist wieder im Mittelpunkt und muss sich etablieren. Dies ist aber erst einmal viel leichter gesagt als getan, denn die Schattenseite des Publizierens für Jedermann ist die, dass es auch viele tun, unter denen sich nicht nur gute Journalisten, sondern auch Geschäftemacher, Verschwörungstheoretiker und sonst allerhand zwielichtiges Volk befindet. Nach außen hin versuchen sie alle, dem Leser ihre Beiträge als „guten Journalismus“ zu verkaufen und es obliegt diesem, zu unterscheiden, die Spreu vom Weizen zu trennen. Wollen wir hoffen, dass es funktioniert und ausreichend mündige Leser am Geschehen teilhaben. Ansonsten sieht es düster aus für den Journalismus, wie wir ihn bisher kannten und für selbstverständlich hielten.


Print pagePDF pageEmail page
Ähnliche Beiträge

Sorry, the comment form is closed at this time.